Dienstag, 10. November 2009

芸者 - Geisha

Noch so ein Stereotyp für Japan. Aber ein wirklich gutes x3 Die Geisha (es gibt im Japanischen keinen Numerus und für mich hört sich das deutsche "Geishas" seeehr komisch an) verkörpern die wahre traditionelle Kultur Japans. (Wer Bilderchens gucken möchte, kann googeln x) Hier kommt eine trockene Ausführung von Christin.) In Tokyo habe ich bisher noch keine Geisha getroffen. Ich denke, sie haben sich in der heutigen Zeit in Kyoto versammelt. Kyoto ist die "alte" Hauptstadt Japans (von 794 - 1603 n.C. mit Unterbrechungen) und bedeutet "Kaiserliche Residenz Kaiserliche Residenz". Nein, ich habe mich nicht verschrieben xD Die zwei Kanji von Kyoto - 京都 - werden für sich alleine genommen beide "Miyako" gelesen und bedeuten eben beide "Kaiserliche Residenz". Japan ist zudem das einzige Land der Erde, dessen Monarch den Titel Kaiser - "Tenno" (Himmlischer Herrscher) - trägt. Tokyo (bitte, mit "y"! Mit "i" sieht es einfach furchtbar aus... s. Kyoto) ist seit 1868 Hauptstadt Japans mit der Kaiserlichen Residenz als Mittelpunkt ("Tokyo" bedeutet östliche Hauptstadt). Zurück zu den Geisha. Im "alten" Kyoto mit seinen vielen Tempeln hat sich das Gionviertel etabliert, in denen Geisha bis heute leben und arbeiten. In Kyoto heißen sie allerdings nicht Geisha (Künstler bzw. Person der Künste), sondern Geiko (Mädchen oder Frau der Künste). Manche mögen bestimmt den Film "Die Geisha" von Rob Marshall kennen. Oberflächlicher Schund. Nicht nur, dass die Hauptdarstellerinnen Chinesinnen sind (was Rassismusvorwüfe à la "die "Schlitzaugen" sehen doch eh alle gleich aus" hervorgerufen hat), die von den chinesischen Medien und der Öffentlichkeit deswegen verurteilt und harsch kritisiert worden sind und auch in Japan für Empörung, Proteste und einen Skandal bei der Weltpremiere gesorgt hat; nein, er beinhaltet viele Halbwahrheiten und ein sehr großes Missverständnis, das in der westlichen Welt erschreckenderweise mit dem Begriff Geisha assoziiert wird: Geisha unterhalten auschließlich Männer nicht nur mit ein bisschen Tanz und Musik, sondern auch mit der sexuellen Hingabe ihrer Körper. Das ist Quatsch. A: Frauen gehören genauso zum Kundenstamm wie Männer. Oft kam man auch mit der ganzen Familie zu Ozashiki (ein Treffen in einer Ochaya (Teehaus) mit kultivierter Unterhaltung durch Geisha). B: Geisha sind Künstlerinnen, die eine sehr harte Ausbildung durchmachen und ihren anstrengenden Beruf leben. Sie werden von Kindesbeinen an (manchmal schon ab sechs Jahren) in Tanz, Gesang, Instrumenten, Ikebana (Blumenstecken), Teezubereitung, kultivierter Unterhaltung etc. erzogen. Sie sind wie allround Entertainerinnen auf einem sehr hohen Niveau. Selbst ein Kimono ist ein einziges Kunstwerk. Gute Geisha tragen einen sündhaft teuren Kimono vielleicht fünf bis sieben Mal, ehe sie einen weiteren vorher entworfenen, maßgeschneiderten und zur Jahreszeit passenden Kimono anziehen. C: Sie sind keine Prostituierten. Ihr Verhältnis zu den Kunden, denen sie eine bezahlte Unterhaltung bieten, ist eine rein geschäftliche, wie z.B. die einer Kellnerin. Natürlich kann man sich mit einem Kunden anfreunden und eine private Beziehung zu ihm aufbauen. Aber prostituiert sich eine Geisha, so wird sie entsprechend hart bestraft - ob sie nur aus der Ziehfamilie geworfen wird, ihren Beruf in diesem Viertel nicht mehr ausüben darf etc.
Wie es zu dem Missverständnis kam? Mineko Iwasaki, eine Frau, die als bisher einzige über ihr ehemaliges Geisha-Dasein ein Buch veröffentlicht hat, ist der Auffassung, dass eine Zeremonie, die es namensgleich bei Geisha und bei Kurtisanen gab, das Bild der Geishakultur trübte: Mizuage - 水揚げ - , der Übergangskult von einer Maiko (Tänzerin) zur Geisha bzw. Geiko. Bei Prostituierten bedeutete Mizuage die rituelle Defloration, die man im Kundenstamm an Hand persönlich übergebener kleiner Reisküchlein mit rotem Punkt bewarb. Genau dieser Kurtisanenbrauch wird übernommen und ist ein relativ großes Element in dem Geisha Film, der auf Grundlage eines Buches von Arthur Golden basiert. Lieber Mr. Golden, sie haben Japanologie studiert, mehrere Jahre in Japan gelebt, zehn Jahre für den Roman gebraucht und als Hauptinformationsquelle Mineko Iwasaki genutzt. Warum, glauben Sie, hat Mineko Iwasaki ein eigenes Buch herausgebracht? Ein Grund dafür steht oben.
Hier noch eine Kritik aus Wiki, falls ihr mir meine Ausführungen nicht ganz abnehmen wollt. Entschuldigt bitte, wenn dieser Eintrag einen zu energischen Ton hat, ich beschäftige mich seit einer Woche intensiv mit dem Thema Geisha und habe mir eben den Film stückeweise angesehen. "Im Film gibt es mehrere grobe Verstöße gegen die tatsächlichen traditionellen Sitten und Gebräuche von Geishas. Das geht von der Farbe der korrekten Schminke (dunkles rot, nicht schwarz) über die Unmöglichkeit, einen Kimono in fünf Minuten auszuziehen, bis hin zu fehlerhaftem gesellschaftlichen Verhalten für eine Geisha in der Ausbildung und traditionellen Tanzformen."
Wer mehr Interesse an Geisha hat, dem kann ich "Die wahre Geschichte der Geisha" von Mineko Iwasaki ans Herz legen. Tolles Buch, tolle Welt, tolle Frau.

Es gibt ganz in der Nähe von mir einen tollen Second Hand Laden (hier ist alles toll xD), der auch gebrauchte Kimono verkauft. Zumindest das Oberteil und den Gürtel werde ich mir dort günstig kaufen, da die Dinger sonst unbezahlbar sind. Fragt mich nicht, zu welcher Gelegenheit ich das anziehen soll xD Ich glaube, sowas steht mir noch nicht einmal *hahaha* Egal.

4 Kommentare:

  1. mouu ich will auch einen Kimono...
    *knuff*
    kauf dir bitte einen schönen Obi und ein schönes Oberteil
    <3
    juju

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  2. Das mit dem "man kann einen Kimono unmöglich in 5 Minuten ausziehen" ist das Beste!!
    Oh Mann, ich bin so froh, dass sich mal endlich noch jemand über den Film aufregt! xD Ich dacht, ich wär die einzige - neben meiner Sis - die den Film scheiße fand. Allein schon, dass Chinesinnen die Hauptrollen spielen. DUMM!
    Haha, einen Kimono hat sich meine Sis leider nicht geleistet, aber dafür hab ich ja einen Yukata mit Schuhen von ihr bekommen. Wenigstens was, gell? xD Kauf dir auch noch einen Yukata, dann können wir damit zum nächsten behinderten Japantag gehen und uns über die wahren Nichtjapankenner lustig machen, rofl!
    Guter Eintrag^^ Wenn ich sowas erzähl, glaubt's mir ja keiner, weil ich ja noch nie in Japan war. Vielleicht stößt du auf mehr Zuhörer, als ich =)

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  3. jaaa! richtig so! immer draufhauen auf den schund xD ich erinner mich, dass wir den film schonmal bei dir gesehen haben und du versucht hast mir zu erklären, wie blöde der ist. damals hab ich das nicht verstanden. ich denke, die meisten leser dieses blogeintrags, werden damit ebenfalls nicht klarkommen, aber ich wollte unbedingt meinen senf abgeben und es nicht unversucht lassen.

    waiii - ein yukata kommt mir auch noch in die garderobe. da muss ich aber erst noch ein geschäft finden, dass die billig verkauft, ich alter geizkragen *mwaha* herrje, meine liste ist sooooo lang, mit den dingen, die ich mir noch kaufen möchte... arbeitenarbeitenarbeiten! und dann gehen wir schön angezogen zum japantag *hihi*

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  4. Also hatten wir ihn doch zusammen geguckt! Ich war mir da nicht mehr so sicher und wollte auch nix Unwahres sagen... xD Aber gut, dass du dich dran erinnerst und jetzt meine Meinung teilst! *froi*
    Yay, das machen wa^^ Wenn meine Sis das nächste Mal hier ist, ziehen wir die Yukatas auch endlich mal an, dann schicke ich dir ein Bild davon, wenn du möchtest, tihihihi~
    Und jetzt muss ich erstmal deine ganz vielen neuen Einträge lesen o__o xD *knutscha*

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