Freitag, 4. September 2009

Klischeebedienung

Uiuiui, ich habe gerade mein erstes Erdbeben bewusst erlebt x3 Es dauerte gar nicht lange - vielleicht so 10 Sekunden - aber es fühlte sich in etwa an, wie ein Achterbahnwagon, der gerade um eine Kurve losfährt und dabei ruckelt (Da fällt mir die Szene in "Per Anhalter durch die Galaxis" ein, in der Arthur Dent mit dem Planetenbauer in dem Wagon zur Montagehalle losfährt.) oder wie diese Wackelräume in Geisterbahnen bzw. irgendwelchen Horrorhäusern, deren Boden vibriert. Die Türen haben geklappert und mein Wasser im Glas hat Wellen geschlagen. Zum Glück habe ich heute morgen den "Funabashi City Multilingual Disaster Prevention Guide and Map" durchgelesen, den ich gesten bekommen habe. Ich pack mir jetzt erst mal das empfohlene Notfallpäckchen zusammen xD

So, nu' hab' ich auch mal ein paar Bilder von meinem tollen Zimmer. Das ganze Zimmer auf ein Bild zu bekommen, war unmöglich. Dafür habe ich einen Rundumblick gemacht:
Fensterecke mit unterem Ende vom Futon. Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man, wie dicht das Nachbarhaus steht.
Links von der Fensterecke, der Kopfteil und die Kommode.
Gegenüber vom Futon. Links an der frontalen Wand ist eine Tür, die zur Küche geht und jetzt wegen einem dahinterstehenden Kühlschrank nicht mehr aufgeht. Um die Ecke links ist genau so eine Schiebetür, die auf den Flur führt. Im Vordergrund ist mein Arbeitsplätzchen. Die Stühle sind klasse. Sooo bequem! Ich möchte gar nicht mehr auf deutschen Stühlen sitzen. Man kann sich schön anlehnen und die Beine austrecken... Und die drehen sich sogar x3 Auch der Stuhl an der Kommode hat Kindergröße.

Die wunderschönen Fenster. Das Holzgestell mit den "Papierfenstern" lässt sich wie eine Tür verschieben. Dahinter sind Fenster (links) und Türen (rechts) aus Plastikglas und wieder dahinter sind Fliegengitter.
So sieht's abends geschlossen aus, wenn das Außenlicht durchscheint.
Und mein Futon. Die obere Decke für warme Nächte, die untere für kühlere.

Themenwechsel:
Uuuh, ich muss mich hier ganz schön anstrengen. So vieles ist anders. Müll wird in Restmüll, Glas und Dosen getrennt und drei mal die Woche rausgebracht. Raus heißt dabei, dass es einen Sammelhaufen gibt, auf dem man seine Tüten anordnet und dann ein Netz darüberlegt. Keine Mülltonnen. Das ist so, weil zum einen das Wetter (Hitze und Schwüle) den Müll viel zu schnell sehr unangenehm werden lässt und es zum anderen in Japan ein offenes Kanalsystem gibt. Ja, genau. Kakerlakenalarm. Mmmh.
Es wird hier schon um kurz vor 18:00 dunkel und um kurz vor 5 morgens ist es schon knallhell.
Und diese Enge! Winzige Grünflächen ums Haus, das bei den meisten aber sowieso vollkommen ungenutzt bzw. vernachlässigt oder vermüllt wird. Die Häuser sind so dicht beieinander, dass man aus fast jedem Fenster an drei Seiten das Haus des Nachbarn anfassen kann ("Gärten" sind oft zur Straße hin). Und der superschnelle Wechsel von verschiedenen Wohn"siedlungen". Hat man in Deutschland ein paar Straßen lang ähnliche Wohnverhältnisse, ändert sich das hier sogar in ein und derselben Straße. Hässliche Hochhäuser, neben schnuckeligen Häuschen.
Und alles ist soo niedrig. Beim Spülen bekomme ich sogar Rückenschmerzen.
Ach, was manche vielleicht interessieren wird: Ja, Klos sind hier in Japan schon was extravagantes. Wie in "Sendung mit Maus - Japan Special"(Youtube), sind die Toiletten hier Hightech. Mit beheizter Klobrille (jetzt in der Hitze ziemlich eklig), Popodusche und Popofön, Geräuscheübertönung etc.

Das ist die Apparatur der Toilette bei mir. In dem Sushirestaurant waren noch ein paar mehr Knöpfe. Ich konnte mich aber noch nicht überwinden, da mal was auszuprobieren xD Ich lass es auch lieber.

Selbst gestern beim Alien Registration Card beantragen, musste ich ganz arg aufpassen die 1, die 7 und die 9 richtig zu schreiben. Die eins ist nur ein Strich, die sieben hat oben eine Welle aber keinen horizontalen Strich durch den schrägen und die neun hat keinen unteren Kringel. Klingt simpel, ich weiß, trotzdem hab ich mich oft verschrieben. Und dazu muss ich (ja, ich!) noch lernen, hier höflicher zu sein. Verstocktes Volk xD Hier reicht kein nettes, lächelndes Kopfnicken und vielleicht ein mittellautes "Ohayou gozaimasu" (Guten Morgen). Nope. Volles Programm muss aufgefahren werden. Jeden so grüßen, als sei er der schönste und tollste Mensch an diesem Morgen... Wenn ich das nicht machen will (dieses Arschgekrieche, z.B. das Entschuldigen, wenn man von jemandem angerempelt wurde und dieses sich 10x in einem Satz zu bedanken), werde ich keine Arbeit bekommen. Ich muss mich doch aber auch erst mal eingewöhnen =_= Das geht mir hier zu schnell! Erschwerend kommen dann noch meine Nicht-kenntnisse der japanischen Sprache hinzu... Uaaah, Arbeit wartet an allen Ecken auf mich. Aber das schaff ich, BANZAI! :)

Und was mich auch überrascht hat, ist, dass die Hierarchie und die Gesellschaft wirklich so stark familienbezogen sind. D.h., wenn ich mich hier falsch verhalte und die Menschen nicht ordentlich grüße (und das mache ich zur Zeit leider noch), könnte das Auswirkungen bis hoch zum Vater meiner Gastmutter haben, den ich noch nicht einmal kenne. Und der ist das Familienoberhaupt. Und sowieso, wenn man in einer Gruppe zusammen ist, darf der Älteste die anderen scheuchen, die dann springen müssen. Selbst bei Feiern.

1 Kommentar:

  1. Wow dein zimmer hab ich mir iwie doch was anders vorgestellt;)
    Bei dir ist immer alles so bund und da alles schlicht und einfach.Aber trotzdem iwie süß.
    Hätte echt nie gedacht dass man da soooo eng aneinander wohnt und das es da sooo große Unterschiede gibt was die Häusergröße angeht!!!
    Aber echt cool muss man sagen.
    ich denk dass mit der Sprache und auch das mit der Freundlichkeit bekommst du noch schnell hin;)
    Bist ja immer so lernwillig;):D
    Sonst stehst du halt mal um 4 auf und lernst;)Hat in der Schule ja auch geklappt ne;):D:D
    wünsch dir ein schönes We:-*

    P.S.: wie ist das mit der Zeit umstellung...also wie viele Stunden liegen dazwischen!???
    Knuddel dich gaaaanz fest muaaaaa:-*

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